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Raps, Brassica napus

Raps anbauen – Eine ökologisch rundum wertvolle Nutzpflanze

Heute wollen wir uns einmal genauer mit einem echten Klassiker aus der Landwirtschaft beschäftigen: dem Raps (Brassica napus). Es handelt sich bei ihm um eine kostbare Nutzpflanze, die bereits seit der Antike angebaut wird und auch für die moderne Landwirtschaft noch eine essenzielle Rolle spielt. Denn Brassica napus ist über alle Maßen ökologisch wertvoll und ein historisches Kulturgut der Zukunft.

 

Steckbrief zum Raps

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  • Wissenschaftlicher Name: Brassica napus
  • Herkunft: Mittelmeergebiet
  • Wuchshöhe: 30 bis 150 cm
  • Blütezeit: April bis September
  • Blüten: gelbe Kreuzblüten
  • Blätter: schmale, lanzettliche Blattspreiten
  • Lichtzufuhr: sonnig
  • Wasserbedarf: hoch
  • Boden: sandig-lehmig, kiesig-lehmig
  • Boden-pH-Wert: neutral
  • Winterhärte: bis -20 °C winterhart
  • Verwendung: Gemüsepflanze, Nutzpflanze, Ölherstellung

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Raps als Lebensmittel und Bioenergieträger

Auf dem Weg in den Druidenhain bei Wohlmannsgesees gelangt man vorbei an gelb gesäumten Straßenrändern. Die weitläufigen Rapsfelder sind ein echter Kulturschatz der ländlichen Regionen Bayerns und zeugen von landwirtschaftlicher Tradition, die sich über Jahrhunderte hinweg erhalten hat. Zum Glück.

Übrigens: Brassica napus ist eine äußerst wertvolle Bienenweide. Weitläufige Feldkulturen der Pflanze bieten Bienen und auch Hummeln ein wunderbares Nektarbankett.

 

Ein Kohlgemüse der etwas anderen Art

Der Raps ist eine bis zu 150 cm hohe krautige Pflanze. Man erkennt ihn auf dem Feld sofort anhand seiner leuchtend gelben Kreuzblüten, die an der Pflanze in traubigen Blütenständen von bis zu 60 Blüten pro Blütentraube zusammenwachsen.

Nähert man sich den Rapsfeldern, steigt einem unweigerlich der herbe Geruch von Senfölglykosiden in die Nase. Einem pflanzlichen Inhaltsstoff, der kennzeichnend für Vertreter einer ganz bestimmten Pflanzenfamilie ist.

Man mag es der gelb blühenden Staude nicht sofort ansehen, doch sie gehört zur Gattung des Kohls und ist somit Teil der Familie der Kreuzblütler. Unter deren Mitgliedern tummeln sich neben Kohlgemüse noch ganz andere Kräuterpflanzen und Gemüsesorten.

Da wären zum Beispiel aromatische Gewürzkräuter wie Senf, Senfrauke und Kresse. Auch traditionelles Wurzelgemüse wie Rettich, Meerrettich oder Radieschen gehören dieser Pflanzenfamilie an. In diesem Zusammenhang wird Brassica napus auch gerne als Kohl-Rübe bezeichnet und liefert als Rübse auch leckeres Rübengemüse.

Brassica napus befindet sich in Sachen Kulinarik also in bester, familiärer Gesellschaft. Und auch er selbst findet in der Küche rege Verwendung. Dies neben der Verwendung der Wurzelrüben überwiegend in Form von Rapsöl.

 

Rapsfeld
Goldenes Rapsfeld am Wegesrand | © Das Grüne Archiv

Mehr als nur ein Speiseöl

Schon während dem 16. und 17. Jahrhundert zählte Brassica napus zu den wichtigsten Ölpflanzen Europas. Und noch heute gehört die Kohlart mit einer jährlichen Produktion von weltweit 87 Millionen Tonnen neben Getreide zu den wichtigsten Nutzpflanzen.

Das insbesondere, wenn es um die Gewinnung von Pflanzenöl geht. Hergestellt wird das Pflanzenöl dabei aus den ölreichen Samen der Kohl-Rübe. Dazu wird die Rapssaat zur Ölherstellung in großen Ölmühlen ausgepresst.

Sowohl in Asien als auch im Mittelmeerraum lässt sich die Gewinnung von Rapsöl bis in die Antike zurückverfolgen. In Indien reichen historische Belege bis um 2.000 v. Chr. zurück. Und auch die alten Römer kannten das Öl als wertvolles Speiseöl und Lampenöl. Davon abgesehen verwendete man das Pflanzenöl früher auch als Schmiermittel und Zutat für die Herstellung von Naturseife.

Heute ist Rapsöl zudem ein kostbarer Bio-Treibstoff. Als Biodiesel ist er im Vergleich zu anderen Treibstoffen relativ CO2-neutral und deshalb ein echter Brenn- und Treibstoff der Zukunft. Das gilt im Übrigen auch für die Verwendung als Kraftstoff zur Wärmeerzeugung in Ölheizungen.

 

Rapsöl
Das gold-gelbe Rapsöl ist eines der gesündesten und ökologisch wertvollsten Pflanzenöle überhaupt.

Inhaltsstoffe von Rapsöl

Rapsöl zeichnet sich durch eine markante, gelbe Farbe sowie einen leicht herb-bitteren Geschmack aus. Der Bittergeschmack rührt von Bitterstoffen her, deren Gehalt in neueren Sorten aber deutlich reduziert ist. Eine ebenfalls bitterfreie Variante ist das Rapskernöl. Hier werden die bitterstoffreichen Schalen der Samen vor dem Pressen entfernt.

Besonders hervorzuheben ist, dass Öl aus Brassica napus nennenswerte Mengen an Vitamin A und E aufweist. Ansonsten ist Rapsöl äußerst reich an ungesättigten Fettsäuren. Gerade der Gehalt an essentiellen Fettsäuren wie α-Linolensäure ist sogar höher als bei Olivenöl. Insgesamt lassen sich folgende Fettsäuren festhalten:

  • Erucasäure
  • Gadoleinsäure
  • Gondosäure
  • Linolsäure
  • Linolensäure
  • Nervonsäure
  • Ölsäure
  • Palmitinsäure
  • Stearinsäure

 

Wer Rapsöl kaufen möchte, sollte auf kaltgepresstes Öl in 00-Qualität setzen. Für dessen Herstellung kommen moderne Sorten zum Einsatz, die einen relativ geringen Anteil an Erucasäure aufweisen.

Zwar handelt es sich bei Erucasäure um eine ungesättigte Fettsäure, doch sie kann vom menschlichen Körper nur schwer verdaut werden. Durch vermehrte Einlagerung der Fettsäure kann es dabei zu Herz- und Gefäßschäden wie Herzverfettung oder Arteriosklerose kommen. Erucasäure-arme Ölvarianten sind deshalb vorzuziehen.

Ebenso besitzt kaltgepresstes Rapsöl eine Reihe gesundheitlicher Vorteile. Laut einer Studie der Xiamen University in Malaysia ließen sich in kaltgepressten Varianten des Öls zusätzliche phenolische Inhaltsstoffe und bioaktive Substanzen wie Tocopherol, Phytosterole, Carotinoide feststellen.1Sook Chin Chew: Cold-pressed rapeseed (Brassica napus) oil: Chemistry and functionality; in: Food Research International, Volume 131, 2020; PMID: 32247493 Elsevier Diese wirken nachweislich antioxidativ, cholesterinsenkend und haben somit einen positiven Effekt auf die Herz- und Gefäßgesundheit.

Geeginet ist das Rapsöl sowohl zum Kochen, Braten und Frittieren, als auch zum Verfeinern von Salaten und Kaltspeisen. Außerdem wird es gerne zur Herstellung von Margarine verwendet. Hier noch einmal ein Überblick zu den wichtigsten Nährwerten:

NährwertGehalt pro 100 ml
Kalorien
Fett
ungesättigte Fettsäuren
Proteine
Ballaststoffe
Kohlenhydrate
Wasser
3700 kJ / 884 kcal
100 g
93 %
0 g
0 g
0 g
0 g
Mineralstoffe:

Calcium
Chlorid
Eisen
Kalium
Magnesium
Phosphor


1 mg
1 mg
0,1 mg
1 mg
1 mg
2 mg
Vitamine:

Vitamin A
Vitamin E


550 µg
23 mg

 

Eine nachhaltiges Energie- und Futtermittel

Wie man natürliche Rohstoffe nachhaltig nutzt, macht die Herstellung von Rapsöl deutlich vor. Im Zuge der Ölgewinnung entsteht nämlich der sogenannte Rapskuchen. Ein dicht gepresster Kuchen aus Biomasse, der sich wie das Öl von Brassica napus selbst sehr vielseitig weiterverwenden lässt.

Abgesehen von der Nutzung als Biomasse zur Energie- und Stromerzeugung ist hier auch die Verwendung als Futtermittel bedeutsam. Die Biomasse der Pflanze ist äußerst reich an Proteinen und eine klimafreundliche Alternative zum importierten Soja. Dieser muss über lange Strecken und unter hohem CO2-Aufkommen erst aus Asien antransportiert werden.

Nicht so bei der Kohl-Rübe, die in Europa auf zahlreichen regionalen Feldern üppig gedeiht. Das während der Ernte anfallende Stroh von Brassica napus ist ergänzend eine hervorragende Gründüngung für Feldbeete.

 

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Steckrübe alias Kohl-Rübe alias Brassica napus subsp. rapifera (oben) neben Herbstrübe (unten) | © Das Grüne Archiv

Raps pflanzen – Standort und Aussaat

Wer Brassica napus als Landwirt selbst anbauen oder sich als Gartenbesitzer an der Kultur der Kohl-Rübe versuchen möchte, für den gibt es hier die passende Kulturanleitung. Die Pflanze stammt zwar ursprünglich aus dem Mediterraneum, gedeiht aber auch in gemäßigten Breitengraden problemlos.

Trotz einer guten Winterhärte von bis zu -20 °C sei aber darauf hingewiesen, dass Kohl-Rüben eine ein- bis maximal zweijährige Kulturpflanze ist. Will man ihn dauerhaft am Standort etablieren, ist also eine regelmäßige Neu-Aussaat angesagt.

 

Der richtige Boden für Kohl-Rüben

Als mediterrane Pflanze liebt Brassica napus sonnige Standorte. Außerdem sind gut durchlässige, tiefgründige, nährstoffreiche, sandig-lehmige oder sandig-tonige Böden zu empfehlen. Tiefgründig deshalb, weil Brassica napus äußerst lange Pfahlwurzeln entwickelt, die sich zur Rübenernte nur bei ausreichender Bodentiefe gut entwickeln können.

Der optimale pH-Wert für die Bedürfnisse von Brassica napus liegt im neutralen Bereich, zwischen 6,5 und 7. Insgesamt sind die Bodenansprüche der Pflanze denen von Weizen sehr ähnlich.

Raps wird auf dem Feld in der Regel als Zwischenfrucht angebaut. Gute Pflanzen für die Fruchtfolge sind Getreidesorten wie Buchweizen, Lein, Hafer, aber auch Hülsenfrüchte wie Bohnen oder Erbsen.

Ungeeignet sind dagegen andere Kreuzblütengewächse wie Kohl, Senf oder Rettich. Denn der Kreuzblütler Brassica napus ist mit sich selbst und anderen Artverwandten unverträglich. Das bedeutet, dass weder Brassica selbst noch andere Kohlsorten oder Kreuzblütler nacheinander am selben Standort kultiviert werden sollten.

 

Raps, Brassica napus
Der richtige Standort für Brassica napus muss vor allem eines sein: hell | © Das Grüne Archiv

Unterschied zwischen Sommerraps und Winterraps

Winterraps galt lange Zeit als beliebteste Variante der Kultur. Die Samen der Kohl-Rübe werden hier im Herbst ausgebracht, verbleiben dann bis zum Folgejahr im Boden und werden dann im nächsten Frühling bzw. Sommer geerntet.

Allerdings macht der Klimawandel auch dem Raps zu schaffen. Extreme Dürren schmälern den Ernteertrag, weshalb sich eine zweijährige Kultur für viele Landwirte nicht mehr lohnt.

Stattdessen hat die Kultur von Sommerraps klimabedingt größeres Zukunftspotential. Das Saatgut wird hier im Frühling ausgesät und noch im darauffolgenden Sommer geerntet.

Das hat einige Vorteile. Einerseits wird der Feldstandort so nicht zu lange beansprucht und es lässt sich eine vielseitigere Fruchtfolge planen. Zudem reduziert sich dank der kurzen Kulturdauer auch der Düngeaufwand.2Sommerraps: Interessante Alternative im Frühjahr; SAATEN-UNION

Einzelheiten zum Standort für Kohl-Rüben:

  • sonniger Standort
  • lockerer, tiefgründiger, nährstoffreicher Boden
  • sandig-lehmiges oder kiesig-lehmiges Substrat
  • pH-Wert des Bodens: neutral, von 6,5 bis 7
  • Anbau maximal zweijährig möglich
  • mit sich selbst und anderen Kreuzblütlern unverträglich
  • Fruchtfolge: Hülsenfrüchte, Buchweizen, Lein und Hafer
  • Sommerraps ist klimabedingt günstiger als Winterraps

 

Anleitung zur Aussaat

Während Sommerraps Mitte März ausgesät wird, erfolgt die Aussaat von Winterraps erst zwischen August und September. Für welche Variante Sie sich auch entscheiden, gehen Sie bei der Aussaat wie folgt vor:

  • Graben Sie den Boden zu Vorbereitung tiefgründig um. Entfernen Sie jedwede Bodenhindernisse (z.B. Wurzelreste oder Steine) und lockern Sie zu schwere Böden bei Bedarf mit etwas Sand auf.
  • Kohl-Rüben haben einen vergleichsweise hohen Nährstoffbedarf. Daher empfiehlt sich vor der Aussaat ergänzend eine Grunddüngung aus organischem Dünger wie Kompost oder Mist.
  • Der Reihenabstand für Brassica napus beträgt 15 bis 25 cm. Pro Quadratmeter sollten so nicht mehr als 35 bis 65 Pflanzen stehen. Achten Sie zudem auf eine ausreichende Oberbodendicke von 15 cm.

 

Kohl-Rübe gießen und düngen

Brassica napus hat einen gesunden Durst. Das bedeutet, dass die Pflanze eine gute Wasserversorgung benötigt. Bleiben Niederschläge für längere Zeit aus, schmälert das den Ernteertrag. Auch deshalb ist die Sommerkultur aufgrund der kurzen Wachstumsdauer inzwischen vorzuziehen.

Mit Blick auf Nährstoffe benötigen Kohl-Rüben vor allem Stickstoff. Gülle, Kompost oder auch Brennnesseljauche sind hier ideal. Ergänzend sollte eine ausreichende Versorgung mit Nährstoffen bzw. Mikronährstoffen wie Bor, Kalium, Mangan, Molybdän und Schwefel gewährleistet sein.

 

Raps, Brassica napus
Eine gute Düngung ist für eine üppige Blüte und folglich auch für eine reiche Samenernte unerlässlich | © Das Grüne Archiv

Raps ernten

Ungeachtet des Aussaatzeitpunktes erstreckt sich die Erntezeit für Raps in der Regel von Juni bis September. Die reifen Samen werden bereits im Sommer geerntet. Das Wurzelgemüse ernten Sie dagegen im Herbst.

Für die Großernte von Samen zur Ölherstellung werden die Stängel mit einem Mähdrescher abgeerntet. 

 

Wichtige Sorten des Brassica napus

Zu den wichtigen Kultursorten von Brassica napus gehören einerseits erucasäure-arme bzw. erucasäurefreie Sorten des Typs 00- bzw. Null-Raps. Spezialsorten wie ‚Lesira‘ (Null-Winterraps) und ‚Canola‘ (Null-Sommerraps) sind hier die wichtigsten.

Saatgut mit ergänzend geringem Glucosinolat-Gehalt eignet sich zudem auch als Tierfutter und wird als 00- bzw. Doppelnull-Raps bezeichnet. Zu erwähnen währen hier folgende Sorten:

  • ‚Elena‘
  • ‚Librador‘
  • ‚Lindora‘
  • ‚Liropa‘

 

Mögliche Krankheiten und Schädlinge

Wie viele landwirtschaftliche Nutzpflanzen ist auch die Kohl-Rübe anfällig für einige Schadbilder. Dazu gehören verschiedene Fäulniskrankheiten wie:

  • Kohlhernie
  • Rapsschwärze
  • Verticillium-Welke
  • Wurzel- und Stängelfäule

 

Unter den Schädlingen machen vor allem Insekten wie der Rapserdfloh, Rapsstängelrüssler und Rapsglanzkäfer der Pflanze das Leben schwer. Es hat sich bewährt, während der Kulturzeit umweltfreundliche Pflanzenschutzmittel auszubringen.

Studienbelege:

  • 1
    Sook Chin Chew: Cold-pressed rapeseed (Brassica napus) oil: Chemistry and functionality; in: Food Research International, Volume 131, 2020; PMID: 32247493 Elsevier
  • 2
    Sommerraps: Interessante Alternative im Frühjahr; SAATEN-UNION

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