Ringelblumen (Calendula)

Sommerkräuter: Übersicht und Wirkung

Der Sommer neigt sich dem Ende und das Grüne Archiv zieht Jahresbilanz zur diesjährigen Kräuterernte. Vieles wurde selbst kultiviert, anderes in fremden Gärten gefunden. Die Ausbeute kann sich auf jeden Fall sehen lassen. Hier unsere liebsten Sommerkräuter auf einen Blick.

 

Die Klassiker unter den Sommerkräutern

Wer zum ersten Mal Sommerkräuter anbaut, der setzt meist auf ein paar beliebte Klassiker. Und auch im professionellen Kräutergarten dürfen einige alteingesessene Lieblinge nicht fehlen. Meist handelt es sich hierbei um Würz- und Duftkräuter, die in der Küche unerlässlich sind. Doch auch so manches Heilkraut verbirgt sich unter den sommerlichen Klassikern. Zu ihnen gehören

 

Minze

Im Kräuterfundus des Grünen Archivs neu zu Gast war dieses Jahr eine ganz besondere Minzart: Die Buntblättrige Garten-Minze (Mentha x rotundifolia ‚Variegata‘), auch bekannt als Ananas-Minze. Sie fasziniert durch einmalige Minzblätter mit weißem Rand und besitzt dadurch eine außergewöhnlichen Zierwert. Dabei ist sie als Erkältungs-, Verdauungs- und Entzündungskraut nicht weniger effizient als ihr berühmter Artverwandter, die Pfefferminze. Sie sieht einfach nur extravaganter aus.

 

Buntblättrige Garten-Minze (Mentha x rotundifolia Variegata), Ananas-Minze
Buntblättrige Garten-Minze (Mentha x rotundifolia ‚Variegata‘) | © Das Grüne Archiv

 

Ringelblume

Mit der Ringelblume befindet sich unter den klassischen Sommerkräutern auch gleich das erste Heilkraut. Zwar ist die schöne gelb bis orange blühende Blume in Mitteleuropa meist einjährig und ursprünglich eher in wärmeren Regionen heimisch, gerne kultiviert wird sie aber dennoch jedes Jahr aufs Neue. Kein Wunder, denn ihre gute Heilwirkung bei Hautbeschwerden ist weltberühmt. Kräuterfans machen aus der Calendula deshalb oft nicht nur Tee, sondern auch Hautöle und Cremes.

 

Ringelblumen (Calendula)
Ringelblumen (Calendula) | © Das Grüne Archiv

 

Petersilie und Schnittlauch

Zu den Sommerklassikern schlechthin zählen natürlich auch Petersilie (Petroselinum) und Schnittlauch (Allium schoenoprasum). Das Standard-Kräuterkit für jeden Anfänger. Beide sind unwahrscheinlich einfach zu kultivieren und geben leckeren Gerichten den letzten Schliff. Ernten kann man dabei im übrigen nicht nur die oberirdischen Pflanzenteile beider Kräuter.

Bei Schnittlauch handelt es sich zum Beispiel im Grunde um eine kleinwüchsige Lauchart. Ältere Pflanzen, die schon etwa größer sind, liefern daher auch ähnlich schmackhafte Lauchknollen mit scharfem Zwiebelaroma.

 

geschnittene Petersilie (Petrosilenum)
geschnittene Krause Petersilie (Petroselinum crispum var. crispum) | © Das Grüne Archiv

Bei der Petersilienwurzel handelt es sich sogar um ein recht bekanntes Wurzelgemüse. Sie wird gerne in Suppen und Salaten verarbeitet. Allerdings muss man die Petersilie dafür schon richtig groß werden lassen. Außerdem erntet man Petersilienwurzel nicht im Sommer, sondern im Winter.

 

Alte Traditionskräuter im Sommer

Kräuterkundige, die schon etwas länger dabei sind, machen sich oft ganz gezielt auf die Suche nach alten Heilkräutern, die in der modernen Welt fast schon in Vergessenheit geraten sind. Davon gibt es in Sachen Sommerkräuter übrigens eine ganze Menge und gerade im Sommer sind viele von ihnen endlich bereit zur Ernte. Im Grünen Archiv alljährlich gerne gezüchtet werden unter anderem

 

Beifuß und Wermut

Beifuß (Artermisia) wird nur allzu gerne als Unkraut beschimpft, weil er äußerst robust ist und ziemlich stark zur Selbstaussaat neigt. Trotzdem sollte man das alte Heilkraut nicht gänzlich aus dem Kräuterbestand verbannen, denn sie besitzt eine äußerst interessante Heilwirkung. In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) ist die Pflanze zum Beispiel als wärmendes Kraut in der Moxa-Therapie eingesetzt. Bei uns ist Beifuß dagegen ein altes Frauenheilkraut, das unter anderem bei Menstruations- und Wechseljahrsbeschwerden helfen soll.

 

Gemeiner Beifuß (Artemisia vulgaris)
Gemeiner Beifuß (Artemisia vulgaris) | © Das Grüne Archiv

Beifuß gehört im Übrigen zur selben Pflanzengattung wie Wermut. Ihr Name lautet Artemisia und ist der griechischen Jagdgöttin Artemis geweiht. Sie gilt als Schutzgöttin der Geburtshelferinnen und werdenden Mütter. Äußerst passend, wenn man die vielseitige Wirkung von Arten der Artemisia bei typischen Frauenleiden bedenkt.

Wermut (Artemisia absinthium) ist darüber hinaus auch der altägyptischen Katzengöttin Bastet geweiht und sowohl als Aphrodisiakum, als auch zur Behandlung von Verdauungsbeschwerden in Gebrauch. Gemeinsam mit Waldmeister stellt Wermut außerdem eine der traditionellen Zutat für Absinth.

 

Katzenminze

Apropos Katzen: Auch wenn sie mit der echten Minze verwandt ist, stellt die Katzenminze (Nepeta) eine eigene Pflanzengattung. Sie wird vor allem von Katzenbesitzern gerne gepflanzt, da die kleinen Fellknäuel wie versessen auf das aromatische Kraut sind. Und auch als Teekraut macht sich die Katzenminze dank ihrem zitronigen Aroma sehr gut.

 

junge Katzenminze (Nepeta)
junge Katzenminze (Nepeta) | © Das Grüne Archiv

Katzenminze wirkt dank Inhaltsstoffen wie Nepetalacton sowohl antimikrobiell, als auch antiviral. Das ätherische Öl der Pflanze enthält außerdem viele medizinisch wertvolle Terpene, darunter Campher, Menthol, Myrcen und Thymol. Sie sind im Allgemeinen für die Heilwirkung von Erkältungskräutern charakteristisch, weshalb ein Tee aus Katzenminze sehr bei Atemwegsbeschwerden zu empfehlen ist.

 

Kapuzinerkresse

Wo wir gerade bei antiviralen Kräutern sind, diese Wirkung ist unter Heilkräutern ja recht selten zu finden. Gegen Bakterien helfen bekanntlich zahlreiche Kräuter, doch für eine gute Heilfplanze gegen Viren muss man schon etwas länger suchen.

Äußerst empfehlenswert ist hier die Kapuzinerkresse (Tropaeolum). Schon ihr strenger Geruch ist erfahrenen Kräuterkundigen ein Hinweis auf die intensive Heilkraft dieser schmuckvollen Pflanze. Und auch ihre orangen bis leuchtend roten Blüten mahnen, sie als antivirales Heilkraut der Extraklasse nicht zu übersehen.

 

Gelbe Kapuzinerkresse (Tropaeolum majus)
Große Kapuzinerkresse (Tropaeolum majum) | © Das Grüne Archiv

Es gibt inzwischen sogar bedeutende medizinische Studien, die Kapuzinerkresse als natürliches Virustatikum loben. Das im Idealfall gemeinsam mit Meerrettichwurzel, der ebenfalls desinfizierende Eigenschaften besitzt.

 

Mauerpfeffer

Nicht gegen Viren, dafür aber gegen Würmer, Warzen und Wunden hilft dagegen der Mauerpfeffer (Sedum) alias Fetthenne. Der Name des Mauerpfeffers verweist zudem darauf, dass die würzigen, fleischigen Blätter der Pflanze früher auch als Küchengewürz für Salate und Soßen verwendet wurden.

Die polsterbildende Sukkulente gehört eigentlich zu den traditionellen Steingartenpflanzen. Wegen seiner aromatischen, entwurmenden und wundheilenden Wirkung ist Sedum jedoch auch für das Kräuterbeet ist eine gute Idee. Hier steht das Kraut wie im Steingarten am liebsten trocken und ist deshalb am besten in Gesellschaft von mediterranen Kräutern aufgehoben.

 

Mauerpfeffer (Sedum), Fetthenne
Englischer Mauerpfeffer (Sedum anglicum) | © Das Grüne Archiv

 

Malve

Als Heilpflanze unterschätzt wird auch die Malve (Malva). Kenner nutzen die schöne Blütenstaude dagegen ganz bewusst als Teekraut. Denn die Blüten und Blätter der Malve Enthalten solch wertvolle Wirkstoffe wie das zu den Anthocyanen gehörende Malvin.

Anthocyane sind rot bis blau-violett färbende Pflanzenfarbstoffe, die daneben aber auch eine antioxidative, gefäßschützende und entzündungshemmende Wirkung besitzen. Die Schleimstoffe der Malve wirken darüber hinaus schmerz- und krampflindernd. Ideal für Magen-Darm-Beschwerden und Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhaut.

 

Malve (Malva), Mellow, Marshmellow
Wilde Malve (Malva sylvestris) | © Das Grüne Archiv

Mediterrane Sommerkräuter – Kinder der Sonne

Besonders für Mediterrankräuter hat im Sommer die große Stunde geschlagen. Dank warmer Temperaturen und sonnigem Wetter stehen sie nun endlich in voller Blüte. Und was wäre die heimische Küche und Hausapotheke auch ohne diese Sonnenkinder unter den Sommerkräutern? Zu ihnen gehören allen voran:

 

Oregano, Salbei und Thymian

Sie sind der Inbegriff der kulinarischen Expertise und MÜSSEN einfach in jedem guten Kräutersortiment mit von der Partie sein. Das nicht nur wegen ihrer aromatischen Würze. Die mediterranen Sommerkräuter warten auch mit einer herausragenden Leistung um Bereich der Heilkunde auf.

Dank einem gehörigen Maß an ätherischen Ölen, Gerb- und Bitterstoffen sind fast alle Mediterrankräuter ausgezeichnete Antibiotika und Erkältungskräuter. Vor allem Oregano, Salbei und Thymian sind als heilsame Sommerkräuter aus zahlreichen Arzneimitteln gegen Infektions- und Atemwegskrankheiten kaum wegzudenken.

 

blühender Thymian (Thymus)
blühender Quendel alias Sand-Thymian (Thymus serpyllum) | © Das Grüne Archiv

Basilikum und Rosmarin

Basilikum und Rosmarin gelten wiederum als exzellente Verdauungskräuter. Von Appetitlosigkeit über Verstopfung und Durchfall bis hin zu Magenkrämpfen und ernsten Erkrankungen des Verdauungssystems können diese beiden Sommerkräuter bei allerlei Beschwerden helfen.

Das Würzen mit diesen Kräutern hat also Methode und dient nicht allein dem Aroma. Rosmarin ist daneben auch als Heilpflanze gegen Herz-Kreislaufbeschwerden bekannt und findet unter anderem bei Herzschwäche oder Blutdruckbeschwerden Anwendung.

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Echter Rosmarin (Rosmarinus officinalis) | © Das Grüne Archiv

 

Lavendel

Mit Lavendel gibt es sogar ein mediterranes Sommerkraut, das speziell bei Nervenbeschwerden, Depressionen und Schlafstörungen hilft. Lavendeltee ist für sensible Menschen darum ein echtes Muss. Manchmal reicht auch schon eine einfache Aromatherapie, um die beruhigende Wirkung des Lavendels freizusetzen. Alternativ kann man auch ein Lavendelbad nehmen oder ein Lavendelkissen anfertigen.

 

Schopf-Lavendel (Lavandula stoechas)
Schopf-Lavendel (Lavandula stoechas) | © Das Grüne Archiv

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