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Naturfarben herstellen: Zutaten aus der Farbenküche

Gerade zu Ostern sind sie wieder schwer gefragt: Naturfarben. Sie sind die günstigste und auch interessanteste Art, Ostereier einzufärben, bieten sich aber auch für zahlreiche andere Verwendungszwecke an.

Beispielsweise gelingen bunte Bastelarbeiten aus Salzteig oder Pappmache dank Naturfarben besonders gut. Auch das Färben von Textilien käme ohne die färbenden Naturstoffe nicht aus. Und selbst so manches Küchenrezept profitiert von den natürlichen Farbextrakten, da sie in der Regel ungiftig und somit essbar sind.

Mit Blick auf den Umweltschutz punkten Naturfarben außerdem durch hiere umweltfreundliche Herstellung. Weder künstliche Zusatzstoffe noch Chemikalien verunreinigen das Naturprodukt Farbe, was insbesondere beim Basteln und Kochen mit Kindern eine wichtige Grundlage ist. Dabei hat die Verwendung von färbenden Naturerzeugnissen lange Tradition und blickt auf eine Anwendungsgeschichte von mehreren 1000 Jahren zurück.

 

Natürliche Farbstoffe – Das Erbe der alten Ägypter

Der Einsatz von Naturfarben ist den Menschen spätestens seit der frühen Antike bekannt. Als absolute Meisterquelle der Färbetechnik gilt diesbezüglich die Malerei des Alten Ägyptens. Im Land der Pharaonen wusste man bereits um 3000 v. Chr., wie man aus den unterschiedlichsten Pflanzen und Naturmaterialien wertvolle Farbpigmente gewinnen kann. Bunte Edelsteine wurden zu Pulver zermahlen, farbige Erden mit Wasser aufbereitet und Pflanzenfarben durch Extraktion der pflanzeneigenen Farbstoffe hergestellt.

Als eines der bedeutendsten Zeugnisse altägyptischer Färbekunst ist diesbezüglich das Leidener Papyrus X erhalten. Es ist eines der ältesten sowie wichtigsten Schriftzeugnisse der Kunstgeschichte und enthält diverse Rezepturen zur Herstellung von Naturfarben. Insbesondere die Indigo- und Purpurfärberei wird in den Papyrusseiten ausführlich geschildert.

Das teure Purpur gewann man damals maßgeblich aus der im Mittelmeer vorkommenden Purpurschnecke, die den Purpurfarbstoff in ihren Sekretdrüsen produziert. Alternativ dazu verwendeten die alten Ägypter auch den Farbstoff Alizarin. Er entstammt der auch als Färberkrapp bekannten Färberröte (Rubia tinctorum), die auch namensgebend für die Pflanzenfamilie der Rötegewächse ist.

Bis heute als historische Meisterleistung der Antike gilt die Herstellung des Indigofarbstoffes. Blau kommt in der Natur als Farbstoff nämlich nur sehr selten vor und ist dementsprechend schwer herzustellen. Traditioneller Weise gewannen die alten Ägypter Indigo aus der gleichnamigen Indigopflanze (Indigofera tinctoria). Ein Gewächs aus der Familie der Hülsenfrüchtler, deren rispige Blütenstände optisch sehr stark an die artverwandten Lupinen erinnern. Auch sie werden mitunter zum Färben von Wolle und Lebens genutzt.

 

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eine der seltensten Farben der Welt: Indigo

Flavonoide – die Welt der Pflanzenfarbstoffe

Mit Blick auf die Benennung pflanzlicher Farbstoffe als Flavonoide war im Altertum noch eine weitere Farbe von großer Bedeutung. Die wissenschaftliche Bezeichnung leitet sich nämlich vom lateinischen Wort flavus für „gelb“ ab. Gelbe Farbpartikel waren nämlich die ersten, die im Mittelalter als solche entdeckt und und in Folge als Färbemittel für Textilien verwendet wurden.

Zu den wichtigsten gelben Färberpflanzen gehörten seinerzeit der Färber-Wau (Reseda luteola) und der Färbermaulbeerbaum (Maclura tinctoria). Als europäischen Indigofarbstoff nutzte man außerdem die Flavonoide des als Deutscher Indigo bekannten Färberwaid (Isatis tinctoria). Dabei fällt auf, dass die Benennung traditioneller Färberpflanzen oftmals direkt auf deren färbende Eigenschaften zurückgeht.

Weitere Ersatzfarben für die antiken Originale kamen nach der Entdeckung Amerikas auf. Ein gutes Beispiel ist diesbezüglich Karminrot als Ersatz für das mediterrane Purpur. Das Karmin gewinnt man bis heute aus der südamerikanischen Cochenilleschildlaus, wobei es als Zutat für roten Lippenstift wohl am bekanntesten ist. Auch farbträchtiges Gemüse wie Paprika oder Tomaten und färbende Holzsorten wie der als Blauholz bzw. Blutholz bekannte Campechebaum (Haematoxylum campechianum) oder das Rotholz der Caesalpinie (Caesalpinia) stammen aus der Neuen Welt.

In Asien heimisch sind dagegen die viele färbenden Gewürze, darunter die goldgelb bis orange färbenden Gewürzpulver Safran und Kurkuma. Letzterer wird aufgrund seiner färbenden Eigenschaften auch als Gelbwurzel bezeichnet, wobei der färbende Inhaltsstoff Curcumin neben dem asiatischen Gewürzklassiker Curry von Margarine und Marmeladen über Kartoffelgerichte und Teigwaren bis hin zu Süßigkeiten in einer Vielzahl von Nahrungsmitteln als natürliche Lebensmittelfarbe vorkommt. An grünem Curry zeigt sich außerdem eine intensive Nutzung grüner Pflanzenfarbstoffe innerhalb der asiatischen Nationalküchen.

 

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Bunte Vielfalt in der asiatischen Küche | © Das Grüne Archiv

Herstellung von Naturfarben – Die Zutaten

Gewürze sind für das Herstellen von Naturfarben zuhause eine erste gute Option. Viele Küchengewürze befinden sich bereits im privaten Sortiment und bedürfen meist nur den Zusatz von etwas Wasser, um die gewünschte Farbe zu erzielen. Ergänzend bieten sich färbende Gemüse und Obstsorten an, die man zur Farbgewinnung kurzerhand auskochen kann. Ein kleiner Farbguide:

 

Naturfarbe Grün

Grüne Farbe wird im Bereich der Naturfarben meist aus dem nativen Blattgrün (Chlorophyll) verschiedener Pflanzen gewonnen. Vor allem Blattgemüse wie Spinat und Brennnesseln, aber auch Kohlgemüse wie Brokkoli und Hülsenfrüchte wie Bohnen oder Erbsen bieten sich hierzu wunderbar an. Ein besonderer Tipp sind darüber hinaus Gerstengraspulver und grünes Spirulinapulver, die beide ebenfalls äußerst intensiv grün färben.

 

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Naturfarbe Grün durch Chlorophyll im Spinat

Eine schönes Beispiel zur Nutzung grüner Kräuter für die Herstellung von Naturfarben stellt der als Grüne Fee berühmte Absinth. Das alkoholische Getränk erhält seine Grünfärbung einzig durch die Mazeration grüner Kräuter wie Wermut oder Waldmeister. Auch Petersilie kann sehr intensiv grün färben.

 

Naturfarben Gelb und Orange

Gelbe und orangerote Pflanzenfarbstoffe gehören vielfach zur Gruppe der Carotinoide, die insbesondere Möhren ihre typische orange Färbung verleihen. Ebenfalls zu den Carotinoiden gehört das Crocin im Safran, der als Crocus sativus eine besondere Unterart des Krokus darstellt und eine besonders schöne goldgelbe Färbung erzeugt.

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Naturfarbe Gelb durch Crocin im Safran

Für die Gewinnung gelber bzw. oranger Farbstoffe kann man neben Safran und Kurkuma auch Kürbis, Karotten und Zwiebelschalen verwenden. Das Gemüse wird hierzu einfach ein etwas Wasser ausgekocht. Eine weitere schöne Möglichkeit zum Erhalt gelber Naturfarbe sind außerdem Birkenblätter.

 

Naturfarben Rot und Violett

Wer ein tiefes Rot bis Rotbraun herstellen möchte, der nimmt am besten Paprika- oder Chillipulver. In den Gewürzen überwiegt der Anteil roter bzw. orangeroter Carotinoide wie Capsanthin oder Capsorubin gegenüber gelben Carotinoiden und Curcumin. Das sorgt für ein leuchtendes und kräftiges Tiefrot, das durch Vermischen der Gewürzpulver mit Wasser hervorragend zum Einfärben geeignet ist.

 

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Naturfarbe Rot durch Capsanthin und Capsorubin im Paprika

Neben Carotinoiden kommen in Paprikas und Chillis auch sogenannte befinden Anthocyane. Diese finden sich auch in Rotkohl, Roter Beete sowie roten und schwarzen Beeren. Durch die Abwesenheit von Carotinoiden entsteht an den genannten Gemüse- und Obstsorten allerdings eine eher rot-violette Färbung. Rotkohl sollte für rote Naturfarbe diesbezüglich aber unbedingt mit Essig oder Zitronensaft ausgekocht werden, um ein Abwandern der Farbe ins bläulich-violette zu vermeiden.

 

Naturfarben Blau und Lila

Nun sind Anthocyane allerdings nicht ausschließlich für Rot verantwortlich. Je nach pH-Wert der Hauptkomponente gehen sie nämlich in ein tiefes blau bis blau-violett. Dabei sorgen besonders saure pH-Wert für eine rote oder lila Färbung, neutrale Werte für eine blauviolette und sehr alkalische Werte für eine blau oder gar blau-grüne Färbung der Anthocyane. Bei Verwendung alkalischer Flüssigkeiten zur Farbgewinnung (z.B. Natrium) erhölt man aus Gemüsearten wie dem Rotkohl demnach eine blaue Naturfarbe. Das klappt im Übrigen auch mit anthocyanhaltigen Beeren wie Brombeeren, Heidelbeeren oder Blaubeeren.

 

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Naturfarbe Blau durch Anthocyane im Lavendelsalz

Der Name der Anthocyane leitet sich im Übrigen von den altgriechischen Worten ánthos für „Blume“ oder „Blüte“ und kyáneos für „dunkelblau“ oder „schwarzblau“ ab. Daran zeigt sich, dass die blauen Pflanzenfarbstoffe offenbar in blauen Blumen wie der Kornblume oder Wegwarte als erstes beobachtet wurden.

Tatsächlich kann man auch versuchen mit genannten Blumenblüten einen blauen Farbstoff zu gewinnen. Besser geeignet sind für blaues Blütenwasser jedoch Malven, die schon nach wenigen Stunden ihr blaues Farbpotential im Wasser entfalten. Alternativ kann man auch Lavendel bzw. Lavendelsalz oder Cyanobakterien wie die Blaualge einsetzen, die jüngst immer wieder gerne in blauen Smoothies zum Einsatz kommen.

Wissenswertes: Der blaue Farbstoff Phycocyanin aus der Spirulina Blaualge gilt als einziger lebensmittelechter blauer Farbstoff der Welt. Kombiniert man die blauen Farbpigmente außerdem mit dem gelben Saflor der Färberdistel, erhält man einen einzigartigen Grünton, der beispielsweise in Waldmeister Sirup unerlässlich ist.

 

Mit Naturfarben gestalten

Für Naturfarben in der Küche und Bastelecke gibt es unzählige Anwendungsbeispiele. Strick- und Häkelbegeisterte nutzen die pflanzlichen Farbstoffe beispielsweise zum Einfärben von Wolle. Versierte Hobbyköche wissen mit ihnen wiederum fantastische Farbwunder in ihren Rezepten zu kreieren. Auch Malen ist mit Naturfarben durchaus möglich, wenn man eine besonders hohe Konzentration der Farbpigmente wählt.

 

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gefärbte Duftsteine aus Salzteig mit Thymian und Zitrone | © Das Grüne Archiv

Ein besonders schöner Tipps ist neben der Ostereibemalung außerdem das Färben von Salzteig mit Pflanzenfarbstoffen. Hier kann man unglaublich kreativ werden, Farben mischen und sogar mit Düften spielen. Wie wäre es zum Beispiel mit bunten Duftsteinen aus Salzteig? Sie sind eine wunderbare Dekorationsidee für jeden Raum und eignen sich auch als originelle Geschenkidee.

4 thoughts on “Naturfarben herstellen: Zutaten aus der Farbenküche

  1. Vielen Dank für den Beitrag zum Thema Naturfarben aus der Küche. Meine Schwester ist begeistert von Naturfarben und möchte deshalb natürliche, umweltfreundliche Farben für die Renovierung kaufen. Gut zu wissen, dass bereits im Alten Ägypten wertvolle Farbpigmente aus Naturmaterialien und Pflanzen genutzt wurden.

    1. Viele Farbtechniken stammen aus dem Altertum. Ebenso wie bis heute in Anwendung befindliches Wissen aus der Pflanzenkunde. Leider gerät vieles in Vergessenheit. Hoffentlich kann dieser Beitrag ein bisschen zum Erhalt alten Wissens beitragen.

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