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Tropenpflanzen – mehr als nur Zimmerpflanzen


Tropenpflanzen haben im Sommer ihren großen Auftritt. Gerade in der Zimmerpflanzenabteilung findet man sie während den Sommermonaten zuhauf. Dabei spielen tropische Gewächse aber nicht nur für die Zimmerpflanzenkultur eine wichtige Rolle.

 

Was sind Tropenpflanzen?

Unter dem Begriff Tropenpflanzen werden gemeinhin Pflanzen zusammengefasst, deren natürliches Verbreitungsgebiet in den Tropen liegt. Sie sind häufig nicht winterhart, weshalb sie in gemäßigten Breitengraden oft nur den Sommer im Freiland zubringen können.

Aus diesem Grund hält man sie in der Regel als Zimmerpflanzen. Denn an Zimmerstandorten lässt sich auch im Winter ein angenehm warmes Klima simulieren, wie es für die Tropen üblich ist. Dabei lassen sich die Herkunftsgebiete der Tropenpflanzen in drei verschiedene Tropenzonen unterscheiden.

 

Immerfeuchte Tropen

Die immerfeuchten Tropen stellen heutzutage leider nur noch ein sehr kleines Areal von etwa 8,4 Prozent der globalen Landfläche. Sie sind gekennzeichnet durch ganzjährig hohe Niederschläge sowie hohe Luftfeuchtigkeit.

Üblich sind für diese Tropenzone gemeinhin 9 ½ bis 12 humide Monate, in denen der Monsunregen für eine konstante Feuchtigkeitsversorgung der Tropenpflanzen sorgt. Zu dieser tropischen Vegetationszone gehören neben den tropischen Regenwäldern als grüne Lungen der Erde auch tropische Bergwälder in Form von Wolken- und Nebelwäldern.

In diesen immerfeuchten Wäldern wachsen vor allem Moose, Farne, Flechten und Gehölze der Lorbeergewächse wie Grünherzholz, Zimtbäume und Avocado. Des Weiteren findet man hier viele beliebte Zimmerpflanzen aus dem Bereich der Kletterpflanzen (z.B. Lianen oder Schlingpflanzen) und Blattschmuckpflanzen, darunter

 

Tropenpflanzen aus den immerfeuchten Tropen benötigen bei Zimmerkultur ein besonderes Maß an Feuchtigkeit, das neben regelmäßiger Bewässerung oftmals auch über gelegentliches Besprühen der Pflanzen gedeckt werden muss. Direkte Einwirkung trockener Heizungsluft ist unter allen Umständen zu vermeiden. Darüber hinaus fühlen sich die Gewächse eher an schattigen Zimmerstandorten wohl.

 

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Eine der wohl kultigsten Zimmerpflanzen aus den Tropen: das Fensterblatt

Wechselfeuchte Tropen

Die wechselfeuchten Tropen machen heute etwa 16,4 Prozent der weltweiten Landfläche aus. Sie sind auch als sommerfeuchte Tropen bekannt, weil sie Niederschläge maßgeblich während der Monsunzeit im Sommer beziehen. Sie generiert in den wechselfeuchten Tropen 3 bis 9 ½ humide Monate pro Jahr.

Während dieser Zeit verwandeln sich zoneneigene Vegetationszonen wie die Feuchtsavanne oder der tropische Trockenwald in paradiesische grüne Oasen. In den Wintermonaten trocknen die Zonen hingegen zunehmend aus und es kommt zu ausgedehnten Dürreperioden.

Die wechselfeuchten Tropen wandeln sich nun größtenteils in Trockensavannen. Laubabwerfende Gehölze wie die für Savannen typischen Dornensträucher oder der berühmte Affenbrotbaum verlieren ihre Blätter, um Wasser einzusparen. Klassische Tropenpflanzen, die unter diesen Bedingungen gedeihen, sind:

 

Pflanzen, die in den wechselfeuchten Tropen wachsen, sind an kürzere Trocknperioden bestens angepasst. Dabei ist jedoch zu bedenken, dass sie eher an winterliche Trockenzeiten gewöhnt sind und diese auch in Zimmerkultur einhalten sollten. Die Bewässerung ist in der kalten Jahreszeit also auf ein Minimum herunterzufahren.

Im Sommer sollten sie dagegen schon, wenn auch maßvoll, gegossen werden. Außerdem empfiehlt sich für diese Tropengewächse ein heller Standort (z.B. auf der Fensterbank), an dem sie auch während der Wintermonate genügend Licht abbekommen.

 

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Königin der tropischen Blumen: die Orchidee

Trockene Tropen

Den größten Anteil an tropischen Vegetationszonen nehmen heute mit 20,8 Prozent globaler Landfläche die trockenen Tropen ein. Unter ihnen versteht man die klassischen Kargzonen der Wüsten und Halbwüsten.

Je nach Landschaftsform gibt es in den trockenen Tropen 0 bis 3 humide Monate. Ein unwirtliches und außergewöhnlich trockenes Terrain, in dem nur echte Überlebenskünstler unter den Pflanzen bestehen können. Zu ihnen gehören:

 

Tropenpflanzen der trockenen Tropen zeichnen sich durch einzigartige Mechanismen zum Verdunstungsschutz aus. Einige besitzen beispielsweise sehr tiefreichende Wurzeln und hocheffiziente Wurzelspeicher. Speziell Sukkulenten wie Kakteen oder Agaven bilden saftreiche, fleischige Blätter und Stämme als zusätzliche Wasserspeicher aus.

Der gezielt an trockene Standorte angepasste Pflanzenmechanismus sollte bei Zimmerkultur auf keinen Fall durch Staunässe beziehungsweise Überwinterung gestört werden. Ansonsten drohen Wurzelfäule und aufgeweichte Pflanzentriebe mit funktionsfunähigem Pflanzenstoffwechsel.

Ganz ähnlich wie mediterrane Kräutersträucher sollte man trockenheitsliebende Tropenpflanzen daher nur sehr punktuell, etwa einmal im Monat und sehr moderat gießen. Als Zimmerstandort sind sonnige bis vollsonnige Flächen zu empfehlen.

 

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Kein tropisches Wüstenambiente kommt ohne diese Sukkulenten aus: Kakteen

Tropische Kräuterpflanzen

Wenngleich man bei den Tropen zunächst gerne an Afrika denkt, so gehören zu den tropischen Zonen doch auch weite Teile Südamerikas und Asiens. Von dort stammen bekanntlich nicht nur diverse tropische Zimmerpflanzen, sondern auch viele beliebte Gewürzkräuter, Duftkräuter und Heilkräuter. Um diese entbrannten im Altertum oft erbitterte Handelskriege, da die Tropenregionen früher nur schwer und ausschließlich per Schiff erreichbar waren.

Exotische Gewürze galten deshalb als äußerst kostbar und wer ein Handelsmonopol in ihren Herkunftsländern errichten konnte, dem waren hohe Einnahmen aus dem Gewürzhandel sicher. Heute hat sich die Lange in Sachen Gewürzpreise glücklicherweise etwas entspannt und blutige Seeschlachten um das Gewürzmonopol gehören der Vergangenheit an. An den besonderen Kulturbedingungen für tropische Gewürze ändert das aber nichts.

 

Tropische Gewürze und Duftkräuter

Für die Kultur vieler exotischer Gewürze wird ein besonderes Maß an Licht und Wärme benötigt. Der Sommer in gemäßigten Klimazonen reicht hierfür zwar oft aus, jedoch kann es zur Herausforderung werden, die tropischen Gewürzkräuter unbeschadet durch den Winter zu bringen.

Gleiches gilt für viele exotische Duftkräuter aus den Tropen. Sie werden insbesondere als Wellnesskräuter immer wieder gerne zur Herstellung von Räucherwerk und wohlriechenden Pflegeprodukten genutzt.

Die aromatischen Düfte der tropischen Duftpflanzen entstehen dabei oft nur bei passenden Boden-, Temperatur- und Lichtverhältnissen. Man kann es aber durchaus auf eine Kultur ankommen lassen, wenn man die Pflanzen frostfrei überwintert. Einige Beispiele für tropische Gewürz- und Duftkräuter sind:

 

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Einer der kostbarsten Tropendüfte der Welt: Frangipani

Tropenpflanzen im Bereich der Heilkräuter

Tropische Heilkräuter spielen allen voran in Sachen TCM Kräuter und Ayurveda Kräuter eine besondere Rolle. Immerhin haben sowohl Indien als auch China als Ursprungsländer entsprechender heilkundlicher Disziplinen großen Anteil an tropischen Klimazonen.

Ähnlich sieht es mit Heilkräutern aus Afrika, Amerika und Australien aus. Diese zeichnen sich oft durch einen hohen Gehalt an ätherischen Ölen aus, die sich nur an trockenen und warmen Standorten optimal entwickeln. Gleichwohl handelt es sich hier häufig um Großgehölze, die Kälte nicht besonders gut vertragen.

Eine Kultur in gemäßigten Breitengraden ist bei tropischen Heilkräutern daher oftmals nur bedingt möglich. Es gibt aber auch ein paar Ausnahmen. Hier ein paar der wichtigsten tropischen Heilkräuter:

 

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Das tropische Heilkraut schlechthin: die Aloe vera

Mediterrankräuter als Tropenpflanzen

Das Mediterraneum bzw. der Mittelmeerraum bezeichnet eine Kontinentalregion, die gemeinhin den Subtropen zugerechnet wird. In Europa erstreckt sich das Mediterraneum über die Küstengebiete süd- und südosteuropäischer Mittelmeerländer wie Spanien, Italien, Griechenland und Kroatien.

Daran schließen sich im Osten an das Mittelmeer grenzende Küstengebiete Vorderasiens und der Arabischen Halbinsel, also der Türkei, Syriens, Libannons und Israels an. In Nordafrika gehören ergänzend die Küstengebiete von Ägypten, Libyen, Tunesien, Algerien und Marokko zum Mediterraneum.

Charakteristisch ist für die subtropische Klimazone des Mediterraneums, dass ihren Grenzen zu den tropischen Klimazonen oft fließend verlaufen. Das bedeutet für zahlreiche mediterrane Pflanzen, dass sie sowohl in den Tropen als auch Subtropen heimisch sind. Mediterrane Kräuter gedeihen hierbei nicht nur im nanemsgebenden Mediterraneum.

Tatsächlich sind einige ihrer Arten auch in den Tropen zu finden, weshalb sie streng genommen ebenfalls zu den Tropenpflanzen gehören. Das gilt insbesondere für folgende Mediterrankräuter:

 

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Nicht nur im Mittelmeerraum, sondern auch in den Tropen Afrikas und der Arabischen Halbinsel heimisch: der Lavendel

Im Unterschied zu vielen tropischen Zimmerpflanzen kommen mediterrane Kräuter nicht nur mit der tropischen Hitze und Trockenheit hervorragend zurecht. Auch den winterlichen Minusgraden der gemäßigten Zone halten einige ihrer Arten erfolgreich stand. Man kann sie deshalb meist problemlos im Kräutergarten ansiedeln.

Ein besonderer Tipp ist diesbezüglich die Mediterranzone in der Kräuterspirale. Durch ihre leicht erhöhte Position im spiralförmigen Kräuterbeet bekommen die sonnenverwöhnten Mediterrankräuter hier eine Extraportion Sonnenlicht ab.

Zudem fließt Feuchtigkeit in der Mediterranzone zügig nach unten ab. Dadurch lässt sich Staunässe vermeiden, auf die mediterrane Kräuter bisweilen recht empfindlich reagieren.

 

 

Südfrüchte und tropisches Gemüse

Exotische Lebensmittel sind im Bereich der Tropenpflanzen eine unterschätzte Größe. Egal ob Südfrüchte aus der Obstabteilung oder Gemüsesorten mit tropischer Herkunft – die Liste pflanzlicher Nahrungsmittel aus den Tropen ist lang. Hier die wichtigsten auf einen Blick.

 

Tropische Nüsse und Früchte

Wenn man von Südfrüchten spricht, meint man damit häufig tropische Beerenfrüchte. Im Unterschied zu heimischem Beerenobst lässt sich dieses aber nicht immer auf den ersten Blick erkennen. Beispielsweise handelt es sich bei

  • Ananas,
  • Avocado,
  • Bananen,
  • Granatapfel,
  • Kiwis,
  • Marajuca,
  • Melonen
  • und auch Physalis

ausnahmslos um Beerenobst. Eine Ausnahme bilden tropische Steinfrüchte wie Mango und Litschis, tropische Nussfrüchte (z.B. Cashewnuss, Erdnuss, Kokosnuss, Mandeln oder Paranüsse) sowie Scheinfrüchte, zu denen unter anderem der Granatapfel gehört.

 

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Für eine Beere doch recht ungewöhnlich: die Ananas

Zitrusfrüchte als Tropenpflanzen

Man mag es kaum glauben, doch auch Zitrusfrüchte sind Beerenfrüchte. Genauer gesagt, handelt es sich um Endokarpbeeren oder Panzerbeeren (Hesperidien). Während sich tropische Nussfrüchte und auch viele anderen Beerenfrüchte aus den Tropen bei uns nur schwer kultivieren lassen, gedeihen mitnter zahlreiche Zitrusfrüchte in Indoor-Kultur. Klassische Vertreter sind hierbei:

  • Bergamotte
  • Grapefruit
  • Limone
  • Orange
  • Zitrone

 

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Die wohl beliebtesten Südfrüchte überhaupt: Zitrusfrüchte

Exotische Gemüsesorten

Tropisches Gemüse findet man im heimischen Gemüsegarten öfter, als es zunächst den Anschein hat. Eine wichtige Rolle spielen hier Gemüsesorten aus der Familie der Nachtschattengewächse, die ursprünglich aus Amerika stammen, heute aber praktisch zur Standardbepflanzung im Gemüsebeet gehören. Hierzu zählen:

Abgesehen von dem Knollengemüse Kartoffel handelt sich übrigens streng genommen auch bei diesen Gemüsesorten um Beerenfrüchte. Ergänzend dazu gibt es auch diverse tropische Hülsenfrüchtler wie Lupine oder Sojabohnen, die eher den tropischen Gemüsesorten zuzuordnen sind. Nicht zu vergessen ist außerdem exotisches Wurzelgemüse wie Süßkartoffeln oder Yamswurzeln.

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